„ICH KANN DOCH AUCH NICHTS DAFÜR“

Dafür, dass ich immer noch herumfahre, meinem Koffer hinterher reise, kann ich nichts. Der Grund ist folgender: Die einen sagen: „Komm wieder.“ Die anderen: „Warum warst du noch nicht da?“ Das bringt einen in die Jahre. Dafür, dass ich immer noch vergleichbarer Meinung bin, was unseren politischen Alltag betrifft, kann ich auch nichts, weil letzterer auch vergleichbar ist. Die Hoffnung, dass ich etwas verändern kann, ist einer Beharrlichkeit gewichen, die sich der bloßen Vernunft entzieht. Adolf Nowaczynski, ein polnischer Schriftsteller (1876 – 1944) schrieb: „Ein Satiriker ist ein Irrer, der dem Elefanten Mausefallen stellt.“ Nachdem er vorher aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat. Aber Mausefallen für Mücken ist auch nicht sehr sinnvoll. Die Zeit ist noch irrer geworden als ein Irrer sich das je vorstellen konnte. Brüssel als eine gigantische Verwaltung globaler Irrtümer? Wir wollten doch bloß Europa! Frieden! Wohlstand, und alles, was damit zusammen hängt. Funktionäre gibt es genug. Aber es funktioniert nichts. Die Informationstechnik explodiert förmlich. Aber niemand weiß was. Jeder ist erreichbar, aber niemand ist zu erreichen. Für alles übernimmt jemand die Verantwortung. Aber keiner weiß wer. Und wer immer sich meldet, beteuert: „Ich kann doch auch nichts dafür.“ Und wenn man in seiner Ratlosigkeit Gott anruft, meldet sich ein automatischer Anrufbeantworter: „Gott hier. Sie rufen außerhalb der Geschäftszeit an.“ Ich bin übrigens erreichbar. Vor Ihnen. Auf einer Bühne. Und ich habe ein Programm. Es heißt: „Ich kann doch auch nichts dafür.“





Newsletter: